Who’s who: Pisanello – der erste Universalkünstler der Renaissance

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Erster Universalkünstler Europas? Meister höfischer Eleganz? Wegbereiter der Renaissance? Der italienische Maler, Zeichner und Medailleur Pisanello schlägt in der Auseinandersetzung mit der Darstellung von Mensch, Tier und Natur neue Wege ein. Er widmet sich mit grossem Interesse der Erforschung des Raums und der realistischen, naturgetreuen Wiedergabe von Details. Pisanellos reges Interesse für alles Getier und für reiche Kostüme lassen ihn als einen der wichtigsten Vertreter des höfischen Stils erscheinen. Doch der Meister gehört vielmehr zu den ersten Universalkünstlern der Renaissance.

Abbildung Drache und Eidechse von Pisanello, Basilika Sant' Anastasia, Verona
Detail Drache, Antonio Pisanello
Abbildunge Eidechse von Pisanello, Basilika Sant' Anastasia, Verona
Detail Echse, Antonio Pisanello

Das Leben von Pisanello

Antonio di Puccio di Pisa, auch Antonio Pisano oder vor allem mit Künstlernamen Pisanello genannt, wird vermutlich um das Jahr 1393 in Pisa geboren. Sein genaues Geburtsdatum ist unbekannt. Sein Vater ist Bürger von Pisa, seine Mutter stammt aus Verona. Pisanellos Schwester wird im Jahr 1394 geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters zieht die Familie nach Verona um, wo seine Mutter kurze Zeit später wieder heiratet.

Über Pisanellos Ausbildung gibt es nur wenige Angaben. Der Humanist und Geschichtsschreiber Bartolomeo Facio erwähnt Pisanello um das Jahr 1415 und beweist somit dessen erste malerische Tätigkeit als Künstler. Im Dogenpalast in Venedig soll er an einem Wandgemälde innerhalb eines heute verloren gegangenen Freskenzyklus mitgearbeitet haben. Pisanellos Ausbildung und Lehrzeit sind somit für die Jahre vor und nach 1410 anzunehmen. Stilistisch geprägt wurde er unter anderem von Gentile da Fabriano und Michelino da Besozzo. Beide Künstler arbeiteten zumindest zeitweise in den Jahren von Pisanellos Ausbildung in Venedig und in Pavia. Pisanello befasste sich aber auch intensiv mit den Werken von Altichiero da Zevio.

Studie mit Hund und Hase von Pisanello
Antonio Pisanello, Studie
Abbildung Hl. Georg und Prinzessin von Pisanello, Basilika Sant' Anastasia, Verona
Detail Hl. Georg und Prinzessin, Antonio Pisanello

Pisanello in Padua, Mantua und Rom

Im Jahr 1416 beweist ein Brief, dass sich Pisanello in Padua befunden hat. Danach wird in einer Quelle erwähnt, dass er – vermutlich nach 1416 – ein Wandgemälde in Pavia im Castello Visconteo gemalt habe. Ab circa 1420 lebt Pisanello in Mantua. Eine Zahlung vom Mantuaner Hof von 1424 beweist Pisanellos Aufenthalt.

Im Jahr 1429 erblickt seine Tochter Camilla das Licht der Welt. Zwei Jahre später können Zahlungen an Pisanello aus Rom von der päpstlichen Kasse nachgewiesen werden sowie ein Brief, welcher an Filippo Maria Visconti gerichtet ist und in dem von Bronzearbeiten berichtet wird. Im Jahr 1432 malt Pisanello eine Madonnentafel mit dem heiligen Hieronymus als Geschenk Papst Eugens IV. für den designierten deutschen Kaiser Sigismund. Noch im selben Jahr wird der Künstler in einem Brief von Leonello d’Este gepriesen. Dieser hätte Pisanello in Ferrara getroffen und der Künstler hätte ihm eine Madonnentafel versprochen.

Münze mit Portrait von Visconti
Pisanello. Medaille des Filippo Maria Visconti, Vorderseite, Mailand. In: Degenhart und Schmitt 2004, S. 61.

Pisanello in Verona: Die Fresken in der Kirche Sant’Anastasia

Im Jahr 1433 wird Pisanello in das Einwohnerverzeichnis des Heimatortes seiner Mutter in Verona aufgenommen. Hinweise sprechen dafür, dass er sich während des Italienaufenthaltes von Kaiser Sigismund zur gleichen Zeit in Oberitalien befand. Pisanello malt zwei Porträts des Kaisers in einer vermutlich eigens dafür arrangierten Porträtsitzung.

Portrait des Kaisers in einfachem Gewand
Pisanello. Kaiser Sigismund. Schwarze Kreide und Feder auf Papier, 33.3 x 21.1cm, Paris, Louvre. In: Degenhart und Schmitt 2004, S. 60.

Von 1436 bis mindestens 1438 befindet sich Pisanello in Verona und führt Malerarbeiten aus in der Veroneser Kirche Sant’Anastasia (Aufbruch des hl. Georg zum Kampf mit dem Drachen. Hier geht’s zum Blogbeitrag). Anlässlich des Italienaufenthaltes des byzantinischen Kaisers Johannes VIII. entsteht eine Portraitmedaille desselben. Im Jahr 1439 wird eine Zahlungsanweisung am Hof der Gonzaga aus Mantua dokumentiert.

Seitenportrait von Paläologus mit grossem, spitzem Hut
Pisanello. Medaille des Johannes VIII. Paläologus. Vorderseite, Florenz, Museo Nazionale del Bargello. In: Degenhart und Schmitt 2004, S. 61.

Wettbewerb zwischen Pisanello und Bellini

1441 findet ein Wettbewerb zwischen Pisanello und Jacopo Bellini um ein Bildnis des Leonello d’Este in Ferrara statt, wobei Pisanello den Wettbewerb verliert und es Leonello d’Este nur mit sehr viel Mühe gelingt den Streit zwischen den beiden Künstlern zu schlichten. In den nächsten zwei Jahren hält er sich abwechslungsweise in Ferrara, Verona, Mantua und Venedig auf, wobei er an letzterem Ort in einen gerichtlichen Prozess verwickelt ist. Dabei wird er zu einem Zwangsaufenthalt in Venedig verurteilt.

In den Jahren von 1444 bis 1447 entstehen mehrere erhalten gebliebene Medaillen, die Pisanello jeweils mit „OPVS PISANI PICTORIS“ kennzeichnet. Am 8. Juni 1448 heiratet seine Tochter Camilla in Verona. Pisanello selbst ist nicht anwesend, es ist jedoch bewiesen, dass er zu dieser Zeit in Ferrara lebt. Kurze Zeit später reist er nach Neapel und entwirft eine Medaille für König Alfonso von Aragon. Dieser ernennt Pisanello im Jahr 1449 mit einer Urkunde zum Mitglied des königlichen Hofs mit allen damit verbundenen Vergünstigungen und Vorrechten. Über Pisanellos Tod ist nur wenig bekannt. Ein päpstlicher Protonotar berichtet Ende Oktober 1455, er habe Silbermedaillen bekommen von einem Gesellen Pisanellos mit der Mitteilung, dass der Künstler dieser Tage verstorben sei.

Seitenportrait von d'Este
Pisanello. Medaille des Leonello d’Este, Vorderseite, Washington, National Gallery of Art. In: Degenhart und Schmitt 2004, S. 62.
Kind mit drei Köpfen sowie Inschrift
Pisanello. Medaille des Leonello d’Este, Rückseite mit Detail der Inschrift „OPVS PISANI PICTORIS“, Washington, National Gallery of Art. In: Degenhart und Schmitt 2004, S. 62.

Das Taccuino di viaggio von Pisanello

Dem Taccuino di viaggio, ein einzigartiger Zeichnungskomplex, kommt innerhalb des Gesamtbestandes aller Werke von Pisanello eine Schlüsselrolle zu. Mit Hilfe des erhalten gebliebenen Bestandes an Zeichnungen gewinnt man nicht nur einen Eindruck über sein Schaffen und sein intensives Naturstudium, sondern man kann auch verloren gegangene Bilder teilweise rekonstruieren. Letzteres ist besonders in Pisanellos Frühzeit von Bedeutung, da sichere Anhaltspunkte in dieser Zeit fehlen. Die Zeichnungen wurden auf Pergament und Papier gemalt. Der Zeichnungskomplex enthält die ganze Fülle an Zeichnungskategorien, die für die Vorbereitung eines Werkes notwendig waren: Von Einzelstudien – von der ersten Skizze bis zur Reinzeichnung –, hin zu Kopien und sogar Musterblätter von anderen Meistern seiner Zeit.

Skizze, eine Dame mit Falke auf dem Arm und die andere mit Falke und Hund
Pisanello-Werkstatt. Zwei Falkendamen (nach Michelino). Metallstift und Feder auf Pergament, 18.4 x 25.7cm, Wien, Albertina. In: Degenhart und Schmitt 2004, S. 57.
Zwei Skizzen mit Kopf und Vorderkörper einer Katze, einmal mit offenem Maul und einmal geschlossen
Pisanello-Werkstatt. Kopfstudien einer Wildkatze. Reinzeichnung aus dem Taccuino di viaggio, Metallstift, Feder und Pinsel in Braun auf leicht geröteltem Papier, 25.1 x 17.9cm, Paris, Louvre. In: Degenhart und Schmitt 2004, S. 250.

Bilder: siehe Verweise in Bildlegende

Literatur

  • Christiansen, Keith: The Art of Gentile da Fabriano. In: Laureati, Laura et al.: Gentile da Fabriano and the Other Renaissance, Milano 2006, S. 19-59.
  • Degenhart, Bernhard und Schmitt, Annegrit: Pisanello und seine Werkstatt. Corpus der italienischen Zeichnungen 1300-1450. Das Taccuino di Viaggio, ein Reisemusterbuch der Pisanello-Werkstatt als frühes Zeugnis enger Arbeitsgemeinschaft, München 2004 (2 Bände).
  • Fernau, Joachim: Knaurs Lexikon alter Malerei, München, Zürich 1958.
  • Middeldorf, Ulrich: Zu einigen Medaillen der Italienischen Renaissance. In: Piel, Friedrich und Traeger, Jörg: Festschrift Wolfgang Braunfels, Tübingen 1977, S. 263 – 265 (über Pisanello).
  • Murray, Linda und Murray, Peter: Die Kunst der Renaissance, Zürich 1965.

 

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