Kunstausstellungen 2026: Meine persönlichen Highlights

19 Minuten Lesezeit

Hier schreibe ich über die Ausstellungen, die ich in diesem Jahr besucht habe. Hast du dieselbe Ausstellung besucht? Ich freue mich über ein Feedback von dir. Diejenigen Ausstellungen, die noch aktuell sind, habe ich im Beitrag orange markiert. Hier eine Übersicht:

Still ongoing:

  • Albertina Wien: Sammeln für die Zukunft (bis 11.10.2026)
  • Naturmuseum Solothurn: Hühner – unterschätztes Federvieh (bis 18.10.2026)
  • Fondation Pierre Gianadda: Rodin selon Rilke (bis 26.11.2026)
  • Vitra Campus: Doshi Retreat
  • Kirchner Museum Davos: Farbenrausch (bis 03.01.2027)
  • Museum Rietberg: Rot. Meisterwerke der chinesischen Lackkunst (bis 31.01.2027)
  • Würth Haus Rorschach: SPORT und FREIZEIT (bis 14.02.2027)
  • Landesmuseum Zürich: Grafik. Visuelle Gestaltung im Alltag (bis 04.04.2027)
  • Grossmünster Zürich: Installation von Shirana Shahbazi (bis Herbst 2027)
  • Bourbaki Panorama, Luzern (Dauerausstellung)
  • Sammlung Rosengart, Luzern (Dauerausstellung)
  • Mulegns (Tagesausflug, Bauwerk)

Ausstellungen Oktober

Landesmuseum Zürich: Grafik. Visuelle Gestaltung im Alltag (bis 04.04.2027). Was macht gute Werbung aus? Sie spricht unsere Emotionen an. Sie bringt uns zum Lachen oder polarisiert, sie träumt uns in ferne Welten oder holt uns im Alltag ab. Die grafische Gestaltung dahinter begegnet uns im Sekundentakt – im Büro als Corporate Design, beim hippen After-Work Drink im Pop-Art Design oder beim Würzen zu Hause mit Aromat. Die Ausstellung widmet sich der grafischen Gestaltung in der Schweiz und deren Entwicklung. Die Themen könnten kaum aktueller sein: Gender (Sexualisierung), Gesundheit, Swissness und «das Andere». Zudem gibt es eine Werkstatt, die heiss begehrt ist – nicht nur bei den Kindern…

Ist dir schon einmal aufgefallen, wie machtvoll Grafik ist? Sie bestimmt, wie du Dinge im Raum wahrnimmst, Informationen im Alltag verarbeitest oder (un-)bewusst Handlungen ausführst. Durch Typografie, Bilder, Formen und Farben wird sie sichtbar und erzeugt zum Beispiel, dass du ein Produkt begehrst oder einem Thema deine Aufmerksamkeit schenkst. Grafik ist nicht zu unterschätzen: Sie bildet Stereotype und spiegelt gesellschaftliche Werte wider. Themen kommen und gehen, die Technik entwickelt sich weiter, aber Werte und Emotionen bleiben. So ist es kein Zufall, dass wir ständig mit sexualisierter Werbung konfrontiert werden – perfekte Körper polarisieren.

Was ist sexy? Wieso werden unsere Körper idealisiert? Das ist historisch, politisch und kulturell geprägt. So mag die damalige Swissair Werbung die Menschen in Ferienstimmung versetzt haben, heute erinnert sie uns mehr an Raketen und Krieg. Grafiker sein, heisst: beobachten, reflektieren und gestalten. Ist Fleisch-Werbung noch zeitgemäss? Kann man eine skatende Kuh zeigen? Die Ausstellung hat Potenzial, denn du kannst dich entscheiden: Willst du die aktuellen Normen beibehalten oder kritisch hinterfragen?

Fondation Pierre Gianadda (VS): Skulpturenpark (ganzjährig): Kennst du den Daumen von César? Wenn ja, welchen? Heute zeige ich dir denjenigen in der Fondation Pierre Gianadda in der Schweiz. In dem 7.000 m2 grossen Skulpturenpark der Fondation befindet sich das Who-is-Who der modernen Bildhauerkunst. Neben dem Daumen von César kannst du dort auch Werke von Auguste Rodin, Henry Moore, Jean (Hans) Arp, Niki de St. Phalle, Max Bill, Constantin Brâncuși, Robert Indiana, Eduardo Chillida, Joan Miro, Alexander Calder oder George Segal anschauen, um nur einige zu nennen. Insgesamt 45 Werke der Bildhauerkunst der Moderne haben einen Platz in der Gartenanlage gefunden.

Besonders schön finde ich die Verbindung zur Natur, denn im Park stehen auch ganz besondere Baumarten. Der Garten ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert und das Café lädt wunderbar zum Verweilen ein. Nicht nur der Skulpturenpark ist beeindruckend, auch die Antiken- und die Oldtimersammlung. Vielleicht kannst du sogar an einem klassischen Konzert teilnehmen. Kennst du den Park schon? Bis 22.11.2026 läuft die Ausstellung “Rodin selon Rilke”.

 

Naturmuseum Solothurn: Hühner – unterschätztes Federvieh (bis 18.10.26). Keine Bilder, die an den Wänden hängen, sondern eine Ausstellung über Hühner und gleich zur brennendsten Frage: Wer war zuerst? Das Ei oder das Huhn? Die Frage ist aus biologischer Sicht einfach zu beantworten, wenn es konkret um das Tier und ums Ei geht, denn bevor es Hühner gab, gab es schon andere eierlegende Tiere wie die Dinosaurier. Sie sind also die direkten Vorfahren. Wenn es aber um die Entstehung des Lebens geht, ist es etwas komplizierter, da sich das erste Leben in der Tiefsee vor rund 3.5 Milliarden Jahren bildete. Das Ei ist somit im Laufe einer langen, evolutionären Entwicklung entstanden aus dieser Ursprungsform des Lebens.

Wusstest du, dass sich im Ei, einer schützenden Hülle, nicht nur neues Leben entwickelt, sondern das Küken auch gleich mit allen Nährstoffen versorgt wird, das es braucht? Ein absolutes Wunder. Ursprünglich stammt das Huhn aus dem asiatischen Urwald. Es wurde wahrscheinlich erst vor rund 3500 Jahren domestiziert (weniger früh als bisher angenommen). Heute gibt es unzählige Rassen, die sich im Aussehen, Grösse und Legeleistung unterscheiden.

Traurig, aber wahr: Wir sehen das Huhn heutzutage meist nur noch als ein ständig verfügbares Lebensmittel – eine hochgezüchtete Legemaschine. Früher hat man das Huhn wegen seines kämpferischen Naturells geschätzt und sogar verehrt. Ich finde es schön, dass die Ausstellung über den Tellerrand hinausblickt und direkt aufzeigt, wie wir heute mit diesem Tier umgehen. Höchste Zeit hinzuschauen und vielleicht beim nächsten Kauf zu überlegen, ob man mal die vegane Variante probieren möchte, statt die Industrie zu unterstützen, die die Hühner ausbeutet.

Ausstellungen September

Museum zu Allerheiligen: Olaf Breuning, Humans (bis 27.09.2026). Der Künstler Olaf Breuning hat mich zum Lachen gebracht, vor allem mit seinen Zeichnungen. Es sind kleinformatige Arbeiten in Schwarz-Weiss, die unseren Alltag thematisieren. Wäre da nicht diese leise Ironie… eine Art Doppelbödigkeit in seinen Werken, die uns zum (Hinter-)Fragen anregt. Was macht uns Menschen aus? Und wie verändert KI unsere Entwicklung? Humorvoll, aber auch sehr provokant hinterfragt Olaf Breuning unsere Verhaltensweisen und unsere Entwicklung. Die Spannung liegt hier in der Ambivalenz – sind wir neugierig oder bereits naiv? Ab wann ist es Fortschritt und ab wann Verantwortungslosigkeit?

Ein Vogelschwarm fragt, warum wir nicht freundlich zur Natur sein können. Ineinander verkeilte Ritterfiguren auf Rollschuhen, die sich von selbst nicht mehr aufrichten können, zeigen passend, wie unser System aus der Balance geraten ist. Die Rüstung schützt uns nicht vor Kontrollverlust. Schaffen wir dennoch einen Neuanfang? Seine Werke sind nicht perfekt und so soll es auch sein, sagt Olaf Breuning. So hat er absichtlich in seinen mit KI-generierten Videos eine veraltete KI-Version benutzt, in der man das Unperfekte sieht – passend zu seiner Kunst also. Die Frage «What should I do? I am just a simple human» steht im Vordergrund der surrealen, fiktiven KI-Videoszenen, in denen er sich selbst als Vorlage nimmt. Und somit befragt er sich auch selbst.

Welchen Einfluss hat KI auf die Kunst und auf die Künstler? Welchen Beitrag können die Kunstschaffenden leisten in Bezug auf die neuesten technischen Entwicklungen, aber auch auf die gesellschaftsrelevanten Fragen? Die Ausstellung dient uns als Spiegel unseres Handelns. Bist du bereit hinzuschauen? Wo kannst DU einen Unterschied bewirken?

Vögele Kultur Zentrum: 50 Jahre Jubiläum (bis 04.10.2026). 50 Jahre Voegele Kultur Zentrum – und der Haustechniker kuratiert die Jubiläumsausstellung. Klingt ungewöhnlich? Genau das macht sie so besonders! Statt auf einen klassischen Rückblick setzt das Vögele Kultur Zentrum auf eine ganz persönliche Perspektive. Im Mittelpunkt steht Erich Wessner, der seit fast 40 Jahren hinter den Kulissen arbeitet. Er baut Ausstellungen auf, kennt viele Künstler:Innen persönlich und hat dabei so manches filmreife Abenteuer erlebt. Wer könnte die Geschichte des Hauses also besser erzählen?

Ich finde es eine wunderbare Idee, dass ihm die Auswahl der Werke aus der Sammlung anvertraut wurde. Schnell wird klar: Hier geht es nicht um kunsthistorische Kategorien, sondern um Erinnerungen. Neben den Werken erzählen seine persönlichen Anekdoten von Begegnungen, Pannen und besonderen Momenten. Plötzlich fühlt sich Kunst ganz nah an. Zusätzlich geben historische Dokumente und Fotografien eine Orientierung. Besonders schmunzeln musste ich bei der Geschichte zur legendären Leuchtkugel von Francesco Mariotti. Der Aufbau dauerte so lange, dass die Polizei den vermeintlich verschwundenen Künstler suchte. Solche Geschichten zeigen, wie viel hinter einer Ausstellung steckt – unzählige Handgriffe, Entscheidungen und manchmal auch eine Portion Improvisation.

Seit der Gründung ist das Haus der Vision von Charles Vögele treu geblieben. Seine Tochter, Monica Vögele, führt diesen Gedanken weiter und setzt seit 2010 auf gesellschaftlich relevante Themenausstellungen. Aktuell lädt die Ausstellung « Die LANGEWEILE – ganz schön vielfältig » dazu ein, einem Gefühl nachzugehen, das wir meist vermeiden und vielleicht gerade deshalb neu entdecken sollten – noch bis 4. Oktober 2026.

Ausstellungen August 2026

Grossmünster Zürich: Installation von Shirana Shahbazi (bis Herbst 2027). Neues Gewand für das Grossmünster in Zürich: Während der Sanierung der nächsten zwei Jahre, wird das Baugerüst zum Kunstobjekt. Farbenfrohe Flächen der Künstlerin Shirana Shahbazi begrüssen die Besucher:innen seit mitte April. Es sind bunte Bilder mit tanzenden und schwebenden Figuren zu sehen – teilweise über 60 Meter lang. Zu entdecken gibt es aber auch historische Bilder aus Zürich. Zudem sind auf der Collage Unterwasserfotos abgebildet von Personen aus dem Umfeld der Kirche – quasi ein kunterbuntes Wimmelbild.

Shahbazi ist eine bekannte Schweizer Künstlerin. 2019 hat sie den Prix Meret Oppenheim gewonnen als jüngste Preisträgerin in der Geschichte der Auszeichnung. In der ganzen Schweiz können wir Werke von ihr im öffentlichen Raum entdecken – so beispielsweise an einer Berner Schule. Gerade eben hat sie den Wettbewerb für ein Projekt in der Nationalbibliothek gewonnen – ich bin gespannt auf die Umsetzung.

Die überdimensionale Installation ist in ihrer Deutung vielschichtig. So thematisiert die Künstlerin einerseits die «Haltlosigkeit» in unserer aktuellen Welt, in der die einzelnen Personen verloren gehen bzw. keinen Halt mehr finden. Andererseits ist ihre Collage so fragmentiert wie die Kirche selbst – man kann sie nie als Ganzes sehen.

Zürich hat eine lange Tradition der Kunstförderung. «Kunst am Bau» geht auf die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurück als Augusto Giacometti die «Blüemlihalle» realisiert hat im heutigen Amtsareal der Stadtpolizei Zürich. Kunst soll für alle zugänglich gemacht werden.

Für Zürich ist es aber das erste Mal, dass eine Kirchenfassade zum Kunstobjekt wird. Ich persönlich hätte mich gefreut, wenn die ganze Kirche farbig eingekleidet worden wäre. Bedenkt man jedoch die Kosten von CHF 300’000 für das Projekt, ist es vielleicht nachvollziehbar… 😉

Bourbaki Panorama, Luzern (Dauerausstellung). Im August stelle ich dir das Bourbaki Panorama vor – mit Fokus auf weibliche Rollen. Das Rundbild gehört zu den bedeutendsten und besterhaltenen Panoramen der Welt (10×112 Meter). Ein «must-see», wenn du Luzern besuchst. Es entstand in einer Zeit vor dem Kino. Wir sehen hier also ein populäres Unterhaltungsmedium, das auf 1200m² Malerei, Kunst, Architektur und Storytelling geschickt verbindet. Die Message dahinter? Eine zeitlose Friedensbotschaft. Die dargestellte Geschichte? Die Internierung von 87000 französischen Soldaten in der Schweiz im Winter 1871.

Die Soldaten finden im Deutsch-Französischen Krieg in der Schweiz Zuflucht. Viele sind erschöpft und verwundet. Die Hilfsbereitschaft ist gross: Die Zivilbevölkerung, die Armee und das von Henry Dunant kurz zuvor gegründete Rote Kreuz sind im Einsatz. Auf dem 360° Rundbild sehen wir ein Zeugnis von Solidarität und Engagement für den Frieden. Unter der Leitung des Genfer Malers und Rotkreuzhelfers Edouard Castres entsteht 1881das Panorama – auch Ferdinand Hodler malt mit.

Frauen sind im Gemälde nur spärlich vertreten. Sie entsprechen dem bürgerlichen Ideal dieser Zeit – sie sind in ihrer fürsorglichen, pflegenden und (den Mann) unterstützenden Rolle abgebildet. Doch gerade diese friedensfördernden, lebenserhaltenen Eigenschaften der Frau sind ein wesentlicher Teil der Botschaft des Gemäldes. Die Frauen werden als Vorbilder der Nächstenliebe dargestellt, denn nur durch Mitgefühl und Anteilnahme erreichen wir Frieden – aktueller könnte diese Botschaft also nicht sein.

Bemerkenswert ist, dass Castres die Frauen individuell und «aktiv», also tätig, darstellt (nicht passiv und hilflos). Denn genauso wie Dunant war Castres vom Engagement der Frauen inspiriert, die von Anfang an eine wichtige Rolle beim Aufbau des Roten Kreuzes spielten. Sie unterstützten die Organisation nicht nur finanziell, sondern auch ideell. Lasst uns also die weiblichen Werte in den Vordergrund rücken, um etwas mehr Frieden in diese turbulenten Zeiten zu bringen.

Ausstellungen Juli 2026

Kulturausflug Mulegns (GR): Graubünden hat ein neues (temporäres) Wahrzeichen: Der Weisse Turm in Mulegns – eine Hommage an die Bündner Zuckerbäcker. Es ist das weltweit höchste digital gedruckte Bauwerk und wurde am 20. Mai 2025 eingeweiht. Der Turm der Stiftung Origen wurde vollständig von einem 3-D Drucker angefertigt und umfasst 32 3-D-gedruckte Säulen. Das Kunstwerk soll eine Brücke schlagen zwischen den traditionellen Bauten im Kanton sowie zukünftigen Innovationen. Die Verantwortlichen für das Bauwerk stammen von der ETH Zürich – Ingenieur, Lichtdesigner und Bauherr. Der Turm stellte nicht nur architektonisch und ingenieurtechnisch eine Herausforderung dar, sondern mit Kosten von 4.4 Millionen Franken auch finanziell. Und die Bewilligung gilt für nur fünf Jahre.

Rund hundert Treppenstufen geht es hinauf. Da darf einem nicht schwindlig werden. Beim Heraufsteigen der Wendeltreppe wechseln sich dunkle und lichtvolle Räume ab. Die Kuppel wird von schlanken Säulen getragen. Von dort aus haben wir auch eine prachtvolle Aussicht auf das Dorf Mulegns und das Val Surses. Der Aufführungsraum bietet rund 32 Personen Platz. Hier finden Konzerte oder Lesungen statt.

Ich finde den Bau faszinierend, doch sein Anblick im Dorf eher gewöhnungsbedürftig. Mulegns zählt zu den kleinsten Dörfern der Schweiz – zwölf Personen leben aktuell hier. Das Dorfbild ist geprägt von Bauernhäusern und Zuckerbäckervillen. Dank dem Projekt von Origen konnten viele Gebäude renoviert und der ehemals prächtige Dorfkern wiederhergestellt werden. Nun öffnet sich das Dorf auch der digitalen Transformation und kämpft tapfer ums Überleben.

Albertina Wien: Sammeln für die Zukunft (bis 11.10.2026). Die Albertina feiert dieses Jahr ihr 250. Jubiläum und blickt in der aktuellen Ausstellung nicht nur auf die Geschichte des Hauses zurück, sondern auch in in die Zukunft. Wir sehen, dass das Museum sich seit der Gründung immer wieder neu definiert hat. Heute besitzt die Sammlung rund 1.2 Millionen Kunstwerke und gehört zu den renommiertesten Museen weltweit mit einer jährlichen Besucherzahl von mehr als einer Million Menschen.

Doch wie hat es begonnen? 1776 wurde die Sammlung gegründet von Erzherzogin Marie Christine von Habsburg-Lothringen (die Lieblingstochter von Maria Theresia) und ihrem Mann Herzog Albert von Sachsen-Teschen (das war übrigens eine Liebesheirat, was selten war zu dieser Zeit). Über die Zeit wandelte sich das erzherzögliche Palais in ein modernes Museum mit internationalem Rang. 2020 eröffnete die Albertina Modern die Tore und 2024 die Albertina Klosterneuburg. Es gibt also viel zu sehen beim Besuch.

Das bedeutendste Kunstwerk im Besitz der Albertina ist der Feldhase von Albrecht Dürer. Der Hase ist so realistisch gemalt, dass man denkt, man könnte sein flauschiges Fell ertasten. Hast du dem Hasen schon einmal in die Augen geschaut? Dort erkennst du nämlich den Reflex eines Fensters aus der Werkstatt des Malers. Das Blatt wurde schon zu Lebzeiten Dürers vielfach kopiert. Ins Museum kam das Kunstwerk im Jahr 1796 durch einen Tausch mit der Kaiserlichen Hofbibliothek.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges stellte auch für die Sammlung eine Herausforderung dar. Ab 1939 wurden immer mehr Werke ausgelagert und befanden sich an verschiedenen Orten. Dennoch fanden Ausstellungen statt, jedoch mit Faksimiles. Die Auslagerung war eine gute Entscheidung, denn im März 1945 wurde das Gebäude durch eine US-Bombe stark beschädigt. Eine Skulpturengruppe auf dem Platz vor dem Museum erinnern an dieses Ereignis.

Ausstellungen Juni 2026

Kunsthistorisches Museum Wien: Canaletto & Bellotto (bis 06.09.2026). Venedig ohne die Darstellungen von Canaletto wäre beinahe undenkbar. Seine Ansichten prägen unsere Wahrnehmung der Stadt massgeblich. Und vielfach wurden später seine Gemälde herangezogen, um die baulichen Veränderungen der Serenissima nachzuvollziehen. Doch Canaletto ist nicht gleich Canaletto, denn unter dem Namen verbergen sich zwei Maler: Giovanni Antonio Canal und sein Neffe Bernardo Bellotto, der sich oft auch Canaletto nannte, um die Verbindung zu seinem berühmten Onkel anzupreisen (oder vielleicht um mehr Geld zu verdienen?). Dass es deshalb zwischen den beiden Malern zum Streit kommen muss, liegt auf der Hand.

Beide Maler sind zuerst in ihrer Heimatstadt tätig, bevor es sie ins Ausland verschlägt: Canaletto zieht es nach London, Bellotto nach Wien und Dresden. Canaletto und Bellotto sind bekannt für ihre minutiösen Darstellungen. Mit beinahe wissenschaftlicher Präzision geben die beiden Venezianer verschiedene europäische Städte wider auf ihrer Leinwand. Es scheinen zufällige Situationen zu sein, die wir hier sehen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Alles ist bis ins Detail geplant und in Szene gesetzt. Es hat mir viel Spass gemacht die Städte durch die Gemälde (wieder-)zu entdecken. Es war jedoch schwierig, die Bilder in der Ausstellung genau zu betrachten – die Alarmanlagen sind extrem sensibel eingestellt.

MAK Wien: GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection (bis 27.09.2026). Ich kann es gar nicht anders sagen: Beim Besuch der Ausstellung hat es mir die Sprache verschlagen. Die Schmuckstücke glitzern und glänzen um die Wette und eines ist schöner als das andere. Und wenn man den Gedanken hat «dasjenige hier ist jetzt definitiv das Prächtigste», dann sieht man im nächsten Raum mit Sicherheit noch ein Beeindruckenderes. Ich kenne keine Frau, die nicht fasziniert ist, wenn ein Schmuckstück funkelt. Rund 300 Kreationen befinden sich in der aktuellen Ausstellung. Es handelt sich um eine Zusammenarbeit zwischen dem Haus Van Cleef & Arpels und dem MAK (Museum für angewandte Kunst in Wien).

Die beiden Institutionen haben nämlich eine gemeinsame Leidenschaft: Die Begeisterung für herausragendes Design und handwerkliche Exzellenz. Sammlungsobjekte des MAK – von mittelalterlichen Textilien bis hin zu Entwürfen der Wiener Werkstätte – treten in einen Dialog mit der Patrimonial Collection des Hauses Van Cleef & Arpels, die mehr als 3’000 Haute-Joaillerie- und Schmuckkreationen sowie Uhren und Preziosen umfasst. Als BesucherIn gehst du auf Entdeckungsreise, und zwar wörtlich, denn die Ausstellungsarchitektur ist in Form eines Labyrinths angelegt – konzipiert vom Pariser Atelier Tsuyoshi Tane. So gibt es beispielsweise die Themen «Natur», «Wanderlust» oder «On Stage». Bei Letzterem siehst du Schmuckstücke und Kleider, die von berühmten SchauspielerInnen getragen wurden. Ich finde die Kombination der Exponate sehr gelungen.

Ausstellungen Mai 2026

Doshi Retreat: Vitra Campus. Es ist ein Ort zum Durchatmen – mitten im Regen. Der Himmel hat geweint, als ich das Doshi Retreat auf dem Vitra Campus besucht habe – oder anders gesagt: Es hat in Strömen geregnet.  Und weisst du was? Es hätte nicht besser passen können. Ich sass im runden Raum, das Dach leicht geöffnet und die Tropfen klangen wie ein leiser Gong. Kein Lärm, kein Bildschirm, kein Konzept – nur Stille, Raum und Regen. Fast magisch. Wenn du also mal auf dem Vitra Campus bist, deine Augen voll sind von Design und dein Kopf summt – geh ins Doshi Retreat. Kein Ort zum Reden. Ein Ort zum Loslassen. Natürlich aber auch sonst sehenswert.

Kennst du das Doshi Retreat schon? Es wurde 2025 eröffnet und ist ein Ort der Kontemplation und der Stille. Entworfen wurde es von Balkrishna Doshi, gemeinsam mit seiner Enkelin & Sönke Hoof. Es ist sein einziges Werk ausserhalb Indiens – und zugleich sein letztes – ein Vermächtnis aus Stahl, Form und Licht. Der indische Architekt Doshi, Träger des Pritzker-Preises (2018), stirbt 2023. Bei der Entwicklung des Retreats stützten sich die Architekten auf die Philosophie der Kundalini. Im Sanskrit bedeutet der Begriff «gewunden». Auch der Klang spielt eine wesentliche Rolle – eingebettet in Vertiefungen im Boden.

Kunsthalle Luzern: Surface. Fragment of Body (bis 21.06.2026). 3 Generationen, 3 verschiedene Arten abstrakte Kunst umzusetzen. Die Arbeiten der drei Künstlerinnen inkludieren Material, Raum und körperliche Erfahrung. Beim «schnellen» Durchgehen kann man es nicht gleich erkennen. Als Betrachter:in muss man etwas länger verweilen, damit sich das Sehen entfalten kann. Wir entdecken Objekte, die zwar an der Wand montiert sind, sich aber dreidimensional in den Raum entfalten. Einige Kunstwerke bewegen sich zwischen Bild und Skulptur. Fläche verbindet sich mit Volumen und Material mit Licht – je nach Standpunkt des Betrachters.

Beim Rundgang scheint sich alles zu verändern, Dinge verschieben sich, brechen auf und setzen sich neu zusammen. Ich fand es ein interessantes Zusammenspiel. Auch wenn sich nichts bewegt, bleibt alles in Bewegung. Ich finde es schön, wenn eine Ausstellung dazu auffordert, langsamer zu werden und die Kunstwerke genauer zu betrachten. Wir werden aufmerksamer, entdecken Details. Gewicht, Struktur, Raum – alles spielt eine Rolle und wir nehmen es plötzlich wahr. Abstraktion ist auf einmal nicht mehr so abstrakt.

Ausstellungen April 2026

Fondation Opale: Roots (bis 12.04.2026). In der Fondation Opale kannst du aktuell Werke der Unternehmerin und Kunstsammlerin Garance Primat sehen. Die Ausstellung ist eingeteilt in sieben Bereiche: Erschaffen, Eins, Erde, Natur, Mensch, Matrix und Ursprung. Ich war über Ostern zu Besuch und habe nicht nur die Kunst, sondern auch die Terrasse mit der wunderschönen Aussicht auf die Berge genossen – den Aprikosenkuchen kann ich sehr empfehlen 😉

Viele bekannte Namen gibt es hier – Alicja Kwade, Giuseppe Penone, Niki De Saint-Phalle und Ólafur Eliasson. Doch habe ich mich gefreut auch mir unbekannte Künstler:innen zu entdecken. Sheila Hick’s Arbeiten habe ich zum ersten Mal gesehen. Sie erstellt Werke mit unterschiedlichen Materialien – von winzig klein bis riesengross. In VARMAYANA (The Place of Shining Light) hat sie verschieden grosse, runde Kissen «benäht». Diese schmücken in ihrer Farbenpracht die gesamte Wand. Das Lieblingsmaterial des britischen Land-Art-Künstlers Navid Nash ist Holz und so steht in der Ausstellung ein riesiges Holzstück eines Sequoia Baumes, welcher in der Mitte verbrannt ist, so dass man durch ein Loch hindurchschauen kann.

Die Ausstellung Roots lädt uns ein die Werke nicht einzeln zu erleben, sondern als lebendiges Ganzes zu sehen. Es ist ein poetischer Rundgang, bei dem die Kunst eine universelle Sprache verkörpert und zu einem Mittel der Erkenntnis werden kann. Wir können eintauchen und uns tiefere Fragen stellen: Wie ist unser Verhältnis zur Welt? Oder wir können einfach durchgehen, die Kunst geniessen und auf uns wirken lassen.

Ausstellungen März 2026

Museum Rietberg: Japan de luxe. Die Kunst der Surimono-Drucke (bis 12.07.2026). Kennst du Surimono? Bisher waren mir nur die Ukiyo-e – die «Bilder der fliessenden Welt» – bekannt. Aber im Gegensatz zu diesen, waren Surimono nicht für den Massenmarkt bestimmt. Sie entstanden in einem intimeren Rahmen (50 bis max. 500 Exemplare), beispielsweise als Auftragsarbeiten oder zu einem speziellen Anlass wie Neujahr oder Geburtstag. Sie bilden somit eine Sonderform der japanischen Farbholzschnitte und entstanden im 18. Jahrhundert.

Prächtig gestaltet, aufwändig gedruckt und kunstvoll dekoriert – in der Ausstellung sind kostbare Exemplare zu sehen. Es sind aber nicht nur die Farben, die mich fasziniert haben, sondern auch die geistreichen Verse, die das Blatt zu einem Gesamtkunstwerk machen. Nicht selten gibt es literarische und kulturelle Anspielungen, die sich in den Gedichten und den Bildmotiven verbergen. Literarische Zirkel hielten besondere kulturelle Ereignisse fest oder veranstalteten Gedichtwettbewerbe, während Kabuki-Fans Auftritte ihrer Lieblingsschauspieler würdigten.

Die Blätter spiegeln die Vielfalt der damaligen Kulturszene. Witzig fand ich das Blatt, in dem ein älteres Paar Kaki-Früchte zum Trocknen schält. Ein besonders wertvolles Blatt füllt den Hintergrund mit Preussischblau-Pigmenten. Surimono wurden innerhalb der gebildeten Schicht verschenkt und so war es zwingend, dass Dichter, Maler und Holzschnittkünstler nicht nur poetisches und bildnerisches Geschick hatten, sondern auch das entsprechende literarische und historische Wissen. Das Zusammenspiel zwischen Hoch- und Populärkultur ist das prägende Merkmal von Surimono.

Ausstellungen Februar 2026

Vögele Kultur Zentrum: Langeweile (bis 04.10.2026). Wann war dir das letzte Mal langweilig? Oder vielleicht muss ich anders fragen: Wann hast du letztes Mal die Langeweile zugelassen und nicht das Smartphone hervorgenommen? Wahrscheinlich schon eine Weile her, oder? Als Kind war mir oft langweilig. Ich kann mich noch gut erinnern. Und dann wie aus dem nichts, sprudelte ich vor Ideen. Oder ich habe meine Spielsachen hervorgenommen und war plötzlich im Flow. Heute wissen wir kaum noch, was Langeweile ist. Wir kennen sie in den kurzen Momenten: Im Fahrstuhl, im Stau…

Ich habe die Langeweile in der Corona-Zeit wiederentdeckt. Einfach mal auf dem Sofa sitzen. Löcher in die Luft starren. Die Gedanken fliessen lassen. Nichts tun. Herrlich! Ich liebe es! Diese Stille, kein Input…und dann passiert es wieder, wie damals als ich Kind war: Die Ideen kommen. Vielleicht auch unangenehme Gefühle, die verarbeitet werden wollen. Mein Blog, mein Podcast, die Kunstladies – all diese Dinge würden heute nicht existieren, wenn ich damals die Langeweile nicht aktiv in mein Leben eingeladen hätte.

Doch was für mich ein Segen ist, ist für andere eine Horrorvorstellung. Viele Menschen wollen die Langeweile vertreiben. Denn sie hält uns einen Spiegel vor, zeigt uns womit wir uns beschäftigen sollten. Die Frage ist nur: Wollen wir das auch? Die Ausstellung ist aber alles andere als langweilig – du kannst sogar das Gras wachsen hören. Ich konnte nochmals eine neue Sicht auf das Thema gewinnen, denn es werden viele Blickwinkel aufgezeigt, z.B. Langweile zu zweit. Welche Bedeutung hat Langeweile für dich? Ist sie anstrengend oder bereichernd?

Ausstellungen Januar 2026

Vitra Design Museum: The Art of the Fashion Show (bis 15.02.2026). Sie sind ein Spektakel; die Kleider der Models prägende Statements. Heute dauern Modeschauen kaum noch 15min., doch die Bilder gehen innert kürzester Zeit um die ganze Welt. Die Ursprünge der Modeschau waren etwas ruhiger und gehen ins späte 19. Jahrhundert zurück als Pariser Couturiers anfingen im diskreten Ambiente ihrer Salons Modellkleider von Mannequins präsentieren zu lassen. Um mehr Aufmerksamkeit bzw. mehr Kundinnen zu gewinnen, mussten sie kreativ werden. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gelang es Paris sich als globale Modehauptstadt zu behaupten.

Spektakulär war die Modeschau von Missoni im Jahr 1967 in Mailand, welche in einem Schwimmbecken stattfand. Das Model sitzt auf einem aufblasbaren Designer-Möbel, welches von einem schwimmenden Mann gestossen wird. Die Show war ein Meilenstein in der Transformation von Modeschauen zu Performance-Events.

Im 21. Jahrhundert wandelten sich Modeschauen zu aufwändig inszenierten Gesamtkunstwerken. Jetzt müssen Bühnenbild, Licht und Sound aufeinander abgestimmt sein. Durch den Konkurrenzdruck werden die Shows zu globalen Ereignissen, die weit über das Präsentieren der Kollektion hinausgehen. So machte Karl Lagerfeld für Chanel das Pariser Grand Palais mit spektakulären Kulissen zu immersiven Erlebnissen. Alexander McQueen ist bekannt für seine provokanten, theatralischen Spektakel. Die Ausstellung zeit die historische Entwicklung von Fashion Shows.

Museum Rietberg: Mongolei. Eine Reise durch die Zeit (bis 22.02.2026). Woran denkst du, wenn du den Begriff Mongolei hörst? Weite Steppen, unberührte Natur, grasende Pferde, Dschingis Khan? Wahrscheinlich kaum an extreme Luftverschmutzung, Verkehrschaos und Armut. Dies ist jedoch Alltag für die 1.7 Millionen Menschen, die in der Hauptstadt Ulaanbaatar leben. Nur die Minderheit der Bevölkerung lebt auf dem Land. Dort hat jeder Mensch im Schnitt 1km² zur Verfügung. In der Stadt leben 7850 Einwohner auf derselben Fläche. Nur eine sehr kleine Minderheit ist wohlhabend. Vor allem die jungen Leute strömen in die Städte, denn sie sind Zentren für Bildung und Handel. Die wenigsten wollen heute als Nomaden leben.

Die Ausstellung zeigt die Geschichte der vier wichtigsten Städte der Mongolei und deren Entwicklung auf. Neueste Forschungsergebnisse und Objekte, die zum ersten Mal ausserhalb der Mongolei gezeigt werden, geben uns eine neue Perspektive auf das Land. Grosse Stadtsiedlungen gab es bereits im 2. Jahrhundert. Menschen unterschiedlichster Herkunft lebten zusammen, was schriftliche Quellen belegen. Kostbare Waren sind ein Beweis für einen weltweiten Handelsaustausch. Kennst du die wichtigsten, historischen Städte der Mongolei? Karakorum (3. Jh.) – die ehemalige Hauptstadt des Mongolenreichs, Karabalgasun (8- Jh.) – die mächtigste Stadt des Uiguren-Reichs und die Drachenstadt der Xiongnu (1. Jh.). Im Museum treten zeitgenössische Künstler in den Austausch mit historischen Artefakten und spannen den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Und natürlich muss ich noch auf ihn eingehen 😉 Dschingis Khan sowie seine Söhne und Enkel eroberten ein Reich, das in seiner Grösse bis heute unübertroffen geblieben ist: von Korea im Osten bis Ungarn im Westen, von Sibirien im Norden, bis Vietnam und Nordindien im Süden.

Alle Bilder: eigene Aufnahmen aus den Ausstellungen

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