Hier schreibe ich über die Ausstellungen, die ich in diesem Jahr besucht habe. Hast du dieselbe Ausstellung besucht? Ich freue mich über ein Feedback von dir. Diejenigen Ausstellungen, die noch aktuell sind, habe ich im Beitrag orange markiert. Hier eine Übersicht:
Still ongoing:
- Landesmuseum Zürich: Konsumwelten: Alltägliches im Fokus (bis 21.04.2025)
- Kartause Ittingen: 1524 Stürmische Zeiten – Der Ittinger Sturm im Fokus (bis 30.03.2025)
- Fondation Beyeler: Nordlichter (bis 25.05.2025)
- Château de Prangin: Was ist die Schweiz? (Dauerausstellung)
Ausstellungen: März 2025
Landesmuseum Zürich: Konsumwelten. Alltägliches im Fokus (bis 21.04.2025). Welche Bedürfnisse deckst mit deinem Konsum ab und wie hat sich dieser in den letzten Jahren verändert? Fühlst du dich glücklich danach? Ein komplexes Thema, denn wenn wir essen, trinken, uns nach Trends kleiden oder Medien konsumieren, stets stillt der Konsum ein wichtiges Bedürfnis – sei es Glück, Individualität, Zugehörigkeit oder Abwechslung. Wo und wie wir einkaufen, hat sich in den letzten Jahren stark verändert, doch die Bedürfnisse bleiben die Gleichen. So erinnert uns ein bestimmter Duft an die Ferien. Wir kaufen denselben Wein, den wir in den Ferien getrunken haben. Wir kaufen ihn, da er mit Emotionen und Erinnerungen verknüpft ist.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Werbung. Sie hat die Aufgabe, Produkte besonders attraktiv zu machen und zum Konsum anzuregen. Dafür gibt es – auch schon vor Photoshop – Fotostudios, die sich auf diese Nische konzentrieren. Sie greifen in die Trickkiste, um das Produkt zu optimieren (Beleuchtung, Perspektive, Farbgebung etc.). Was ich persönlich besonders mag, ist humorvolle Werbung. Ich denke hier an die Werbung des Motorradherstellers Kawasaki oder der Schweizer Versicherung ‘Die Mobiliar’. Auch das Einkaufszentrum Glatt lockt bereits 1975 die Konsument:innen mit Humor in ihr Haus. Was hast du letzthin gekauft, das du nicht wirklich brauchst und warum hast du es gekauft?
Ausstellungen: Februar 2025
Fondation Beyeler: Nordlichter (bis 25.05.2025). Ein zarter, beweglicher Schleier aus schillernden Rosa-, Weiss- und Türkistönen schimmert am nächtlichen Himmel. Er spiegelt sich auf einer Wasseroberfläche zwischen kargen Felsen. Das flüchtige Naturphänomen der Nordlichter auf Leinwand zu bekommen, ist Anna Boberg auf wunderbare Weise gelungen – findest du nicht auch? Die Nordlichter dienen der Künstlerin als Motiv in zahlreichen Werken. Sie ist so beeindruckt, dass sie über 30-mal nach Nordnorwegen reist, um die unterschiedlichen Lichtverhältnisse zu malen. In der Ausstellung haben mich ihre Bilder besonders beeindruckt. Die Schwedin ist zwar in ihrem Heimatland bekannt, doch ausserhalb der Landesgrenzen kennt sie kaum jemand.
In der Ausstellung finden wir bekannte Namen wie den Norweger Edvard Munch oder die Schwedin Hilma af Klint. Doch eben auch den weniger bekannten Künstler:innen wird eine Plattform geboten. Gefallen hat mir zudem, dass nicht nur skandinavische Werke gezeigt werden, sondern auch Bilder von kanadischen Künstlern. Wegweisend war hier die «Group of Seven». Die Gruppe hat die kulturelle Identität Kanadas über Jahrzehnte geprägt. Es dreht sich alles um die boreale Zone. Kennst du sie? Sie wird auch Taiga genannt und umfasst die nördliche Vegetationszone. Also dort, wo der Sommer nicht enden will, und die dunklen Winternächte herrschen – die «Heimat» der Nordlichter. In der Ausstellung werden 13 Maler:innen gezeigt, die sich von diesen Naturphänomenen inspirieren liessen.
Ausstellungen: Januar 2025
Graphische Sammlung, ETH Zürich: Albrecht Dürer. Norm sprengen und Mass geben (bis 09.03.2025). Der Name Albrecht Dürer bedeutet spektakuläre Ausstellungen, Massenandrang, lange Wartezeiten und kitschige Kaffeetassen. Doch es muss nicht immer ein pompöser Auftakt sein, denn in der Graphischen Sammlung kann man den grossen Meister ohne Ansturm und ganz in Ruhe betrachten – auf Augenhöhe quasi. Die ETH Zürich besitzt Albrecht Dürers druckgraphisches Werk in beneidenswerter Qualität und Quantität. Ich könnte hier stundenlang verweilen. Hier wird er als Künstler und nicht als Pop-Ikone verehrt. Ein Künstler, dem es gelang mit seinen Werken nicht nur Norm sprengend, sondern auch Mass gebend zu sein.
Die Werke von Dürer faszinieren mich immer wieder aufs Neue. Jede:r von uns hat ein Werk von ihm im Kopf, wenn wir die Augen schliessen. Bei mir ist es sein Selbstportrait, in dem er sich fast christusgleich inszeniert. Oder die Melencolia (Melancholie). Seine betenden Hände und der Hase haben es in Schwimmbäder, Schlafzimmer und auf Rucksäcke geschafft. Wie bei Raffael und Mozart zeugt dies von einer unglaublichen Wirkmacht, die weit über den Zirkel eines elitären, kunstaffinen Publikums hinausreicht. Zur Ergänzung werden deshalb in der Ausstellung auch Fotografien von Tätowierungen gezeigt, die auf Dürers Graphiken zurückgehen, was ich persönlich eine richtig coole Idee finde.
- Hier geht es zu meinem Blog-Artikel über die Kunstwerke der ETH Zürich.
Musée Visionnaire Zürich: INK* (bis 02.03.2025). Spätestens bei Tätowierungen scheiden sich die Geister. Der Körperschmuck lässt die Nase rümpfen oder sorgt für totale Begeisterung. Das kann auch beim Dating herausfordernd sein. Und was haben Tätowierungen im Museum zu suchen? Eine künstlerische Betrachtung gestaltet sich doch schwierig; haben wir es nicht mit einer Leinwand zu tun, sondern mit nackter Haut oder genauer gesagt einem Menschen als Träger:in. Und die andere schwierige Frage: Wer ist denn jetzt Künstler:in? Die Person, die das Tattoo gestochen hat, die Träger:in oder gar das Museum selbst?
Da ich selber stolze Besitzerin von Tattoos bin, finde ich es richtig cool, dass diese künstlerische Praxis ins Museum geholt wird. So können wir die Pigmente von einer ganz anderen Perspektive betrachten und zu neuen Diskussionen anregen. Tattoos sind immer noch für Viele ein Tabuthema. Ich selbst bin auch schon auf Ablehnung oder auf Unverständnis gestossen. Gleichzeitig bin ich auch heikel und mag nicht alle Stile. Das kann ganz schön herausfordernd sein. Für alle, die Tattoos mögen: Geht unbedingt in die Ausstellung. Und für diejenigen, die sie nicht mögen: Gib ihr eine Chance. Du musst dir ja nicht gleich ein Tattoo stechen lassen, aber vielleicht gewinnst du neue Einblicke. Hast du auch Tattoos?
Fondation Beyeler: Matisse – Einladung zur Reise (bis 26.01.2025). Heute möchte ich dir einen Begriff vorstellen, den ich damals im Studium gelernt und nun bei der Matisse-Ausstellung in der Fondation Beyeler in Basel wiederentdeckt habe – die Odalisken. Das sind nackt oder eingekleidet dargestellte Frauenfiguren, meist sitzend oder liegend in einer orientalischen Bildinszenierung. Odalisken waren ursprünglich Dienerinnen im Harem des Sultans. Im 19. Jahrhundert werden solche Dienerinnen vermehrt in der europäischen Malerei dargestellt, jedoch findet in diesem Zusammenhang oft eine erotische Aufladung der Bildmotive statt. Viele Künstler reisen in den (nahen und fernen) Orient und bringen Eindrücke zurück. Es entstehen zudem Postkarten, die uns Europäern das Konzept des Orientalismus näherbringen. Hierbei handelt es sich aber überwiegend um Klischeevorstellungen des Orients.
Matisse reist 1906 nach Algerien und 1912 nach Marokko. Er ist fasziniert von den dortigen Textilien. Auf den Märkten kauft er mehrere Teppiche, die er fortlaufend in seine Bilder integriert. Sie beeinflussen ihn in seiner Auffassung von Räumlichkeit – er wendet sich von der konventionellen Vorstellung der Perspektive ab und findet zu einer freieren Form. Diesen Wandel erkennt man beispielsweise in seinem Bild «Akanthus» – das Dekorative wird sichtbar, die Form reduziert und abstrahiert, die Farbe befreit sich vom Gegenstand. Räumliche Tiefe und Hell-Dunkel-Effekte spielen kaum eine Rolle mehr. Die Ornamente von Teppichen und Wandtapeten breiten sich flächendeckend über den gesamten Bildraum aus.
Die Frauenfiguren von Matisse: Die Körperlichkeit der Frauenfiguren von Matisse hat mich schon immer fasziniert, vor allem seine verschiedenen Stile und die Wandlung über die Jahre hinweg. So verbindet er beispielsweise europäische Einflüsse mit Körperformen der afrikanischen Bildhauerei. Wir sehen hier (Bild 1) kraftvolle, eckige Linien und flächige Formen, die uns an die afrikanischen Holzfiguren erinnern. Hier spiegelt sich das Interesse der Europäer an der vermeintlich «primitiven» Kunst. Gleichzeitig setzt er sich nach seiner Italienreise mit den Fresken von Giotto auseinander. Es findet eine Reduktion der Landschaftsdarstellung statt.
Zudem beschäftigt er sich mit den «Badenden» von Cézanne. Wir können schon seine Hinwendung zur monumentalen Malerei erkennen. Ersichtlich wird dies auch in seinen Rückenakten, die er in einem Zeitraum von über 20 Jahren weiterentwickelte – von anfangs dynamisch geschwungenen Figuren hin zu flächigen Kompositionen. Matisse abstrahiert seine Figuren immer mehr – bis hin zu seinen berühmten Scherenschnitten. Diese Figur (Bild 2) hat er rund 26-mal überarbeitet, so dass sie nun wie collagiert erscheint. Der Frauenakt sprengt beinahe das Gemälde, wobei der Kopf im Verhältnis zum Körper winzig klein erscheint. Es gibt keine Räumlichkeit, allein die geschwungenen Formen bringen Bewegung ins Bild.
Matisse bedient sich an verschiedenen Bildstilen und -epochen: Von der Antike über das Spätmittelalter bis hin zur Renaissance. Orientalismus, Japonismus, Fauvismus, Kubismus… Matisse erschafft Frauenfiguren jenseits des westlichen Schönheitskanons. Der Wandel über die Jahre sowie der kulturelle Austausch werden in der Ausstellung wunderbar aufgezeigt.
Alle Bilder: eigene Aufnahmen aus den Ausstellungen
Wow. Cool. Vielen Dank! Eine schöne Inspiration.
Vielen Dank fürs Feedback, Nikolaus!